Kommst Du mit, wir sind vom Chef eingeladen, bei der Jahresauftaktversammlung in Frankfurt? fragte mich unlängst ganz aufgeregt meine Kollegin. "Nö, dafür ist mir meine Zeit zu schade, sage ich, ohne lange nachzudenken. Es ist ein Riesenevent wie man heute so schön sagt. Lange Zeit standen wir nicht auf der Gästeliste.
Heute lässt es mich kalt und ich will gar nicht mehr dabei sein.
Immer öfter sage ich ab, weil ich einfach keine Lust mehr habe, meine Zeit mit Sachen zu verschwenden, die für mich völlig unwichtig geworden sind. Was früher gaaanz wichtig war, weil ich dabei sein durfte, lässt mich heute oft kalt.
Auch ein Frühstück mit gewissen Menschen, mit denen mich nichts verbindet, oder eine Reise nach Hamburg, die ich schon x-mal gemacht habe und hinterher verärgert feststelle, daß ich mir doch schon beim letzten Mal geschworen habe, nicht mehr mitzufahren, weil es grottenlangweilig war, sage ich heute einfach ab.
Warum denn nicht, werde ich dann verständnislos gefragt. Weil mir meine Zeit zu schade ist, Dinge zu tun, von denen ich vorher schon weiß, daß sie mir keinen Spass machen.
Ich lebe bewusster. Ich hab schon genug erlebt um alles noch mal erleben zu müssen. Das heisst nicht, daß ich mich zurückziehe, ganz im Gegenteil. Ich lerne immer noch gerne neue, interessante Menschen kennen, mache gerne Reisen an Orte, die mich interessieren. Probiere neue Rezepte aus. Aber eben bewusster und nach dem Prinzip, lieber Qualität als Quantität. Quantität ist ein Privileg der Jugend, die noch nicht wissen, was sie mögen, die noch viel ausprobieren müssen. Das trifft auf mich irgendwie nicht mehr zu. Ich bin zufriedener mit einem Nein zu rechten Zeit, auch wenn mich manche völlig verwirrt anschauen. Ich war noch nie Everybody 's Darling. Daran wird sich wohl auch jetzt definitiv nichts mehr ändern. Manche Dinge können bleiben wie sie sind.