den ich als kleines Mädchen und bis ins Erwachsenenalter hinein bewahrt habe, war ein eigenes Pferd.
Mein bester und interessiertester Zuhörer war mein Großvater, der selber in der Landwirtschaft aufgewachsen war und im Krieg die Pferde versorgt hat, die die Wagen in Richtung Russland zogen. Das war seine Art am Krieg teilzunehmen, sich um die Tiere zu kümmern.
Ich war fünf Jahre alt, und alles aber auch alles, was sich satteln ließ, selbst unsere uralte Nähmaschine musste dazu herhalten, mich wilde Amazone auf dem Rücken zu tragen.
Ein paar Wochen vor Weihnachten ging es dann los. Ich malte Bilder fürs Christkind, mit pferdeähnlichen Geschöpfen. Ich kann bis heute noch kein ordentliches Pferd malen. "Mama wie schreibt man Pferd?" fragte ich vorsichtshalber nach. Und meine Mutter schrieb es mir vor. "Was machst Du denn da?" wollte sie wissen. Ich erzählte ihr, das ich meinen Wunschzettel für das Christkind schrieb. "Ich will nur ein Pferd, sonst gar nichts, nie wieder, für alle Weihnachten der Welt!" und ich meinte das genau so, wie ich es sagte.
Mein Großvater schaltete sich ein. "Wo sollen wir das Pferd denn hintun, wir wohnen mitten in der Stadt?" "Ach Opa das können wir doch in die Garage tun, wir haben doch noch eine frei, wir holen Stroh und Heu und das Pferdchen hat es da ganz gemütlich." Ich ließ mich nicht abbringen, egal welche Fragen mein Opa mir bezüglich Unterkunft, Futter und Bewegung fürs Pferd auch stellte. Ich hatte für alles einen Plan. Mein Großvater hat sich bestimmt köstlich amüsiert und immer ein leises Schmunzeln im Gesicht, wenn ich wieder Überzeugungsarbeit leistete. Ich war sicher, ich hatte ihn überzeugt.
Heiligabend kam und ich war soooo aufgeregt. Ich ließ alles brav über mich ergehen, den ganzen Tag nicht im Weg stehen, sich das feine Kleidchen anziehen lassen, die Schleife ins Haar binden. Ich hätte mir auch noch eine Kuhglocke umgehängt, wenn es nur einer von mir verlangt hätte.
Es wurde langsam dunkel, der endlos scheinende Tag ging doch endlich zu Ende und ich fieberte der Bescherung entgegen. Dann war es soweit. Das Glöckchen im Wohnzimmer läutete, die Weihnachtsmusik lief und die Tür ging auf. Ich stürmte ins Wohnzimmer, schaute mich kurz um, eigentlich war mir klar, das mein Geschenk ganz sicher nicht im Wohnzimmer stehen konnte.
2. Etage für ein Pferd, das war mir auch als kleines Mädchen schon klar, ging gar nicht. Also übersah ich all die Geschenke, die da aufgebaut waren und nahm meinen Großvater an der Hand. "So komm Opa, lass uns mal zur Garage gehen". Alle schauten mich an und wussten gar nicht, was ich jetzt in der Garage wollte. Da klärte mein Großvater sie auf und alle lachten laut. "Was Du immer für Ideen hast" schüttelte meine Mutter den Kopf. Nur mein Opa und ich sahen uns an. So langsam kam mir ein Verdacht. Ich sah Bedauern in seinem Gesicht.
"Schau mal hier die ganzen Pakete sind alle für Dich, pack doch mal aus". Meine Großmutter wollte mich ablenken. Aber ich hatte begriffen. Heisse Tränen schossen aus meinen Augen. Was sollte ich mit diesem ganzen Kram, verstanden die nicht, das ich es sehr ernst gemeint hatte? "Wenn Du mal groß bist, kannst Du Dir ja ein Pferd kaufen" aber hier in der Stadt Kind ,das geht doch nicht."
"Das werde ich auch tun, darauf könnt Ihr Euch verlassen und jetzt werde ich ganz schnell groß"
Eins weiss ich sicher, wenn mein Großvater gekonnt hätte, er hätte mir meinen Herzenswunsch erfüllt, das habe ich gespürt. Und als sich 30 Jahre später mein größter, sehnlichster Wunsch erfüllte, mein eigenes Pferd, lebte er leider nicht mehr. Ich hätte es ihm so gerne gezeigt, weil ich wusste, daß er sich von Herzen mit mir gefreut hätte und sich daran erinnert hätte, wie dieses eine Weihnachten war.